Azurblaue Auflage,
nummeriert von 1 bis 1000,
$190 $
Das verlorene Paradies
Englische Ausgabe
Großformat (25 x 35 cm)

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Das verlorene Paradies - Gesang I, das einzige Manuskript eines legendären Gedichts

Es gibt Texte, die ein Lebenswerk sind: dies ist der Fall bei John Miltons Das verlorene Paradies, der Bibel der Romantik für Generationen von Autoren und Lesern über die Jahrhunderte hinweg, und deren zehn Teile zwischen 1658 und 1663 entstanden sind.

The Manuscript of Paradise Lost

Man muss sich John Milton vorstellen, wie er mit etwa 50 bis 60 Jahren, blind, aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen und abgeschieden, seine Zeit dem Lesen, dem Studium und dem Schreiben gewidmet hat und wahrscheinlich in einer dunklen Kammer die folgenden Strophen laut aufsagte:

Des Menschen erste Schuld, die Frucht des Baumes,
Des untersagten, deren gift'ge Kost
Tod in die Welt gebracht, all unser Wehe
Und Edens Einbuß', bis ein Mächt'gerer
Uns sühnt' und neu errang den Sitz des Heiles:
Sing, Himmelsmuse, die auf ödem Gipfel
Des Horeb oder Sinai den Hirten
Entflammt, der dem erkornen Volk zuerst
Gelehrt, wie anfangs Himmel sich und Erde
Entrang dem Chaos. Doch wenn Zions Hügel
Dir lieber, und Siloa's Bach, der nahe
Des Herren Tempel floß: fleh' ich von dorther
Um Hülfe dich für meinen kühnen Sang,
Der nicht blos mittlern Flugs den Berg Aoniens
Zu überschweben sucht; denn er erstrebt
In Pros' und Vers noch ungewagte Dinge.

(Übersetzung von Karl Eitner, 1867)

Dieses Manuskript ist das einzige, das von der Arbeit am verlorenen Paradies vor fast fünf Jahrhunderten übrig geblieben ist und als Text dieser Zeit gerettet wurde. Es entspricht dem Gesang I, dessen Erzählung nach dem Ungehorsam des Menschen und seinem Ausschluss aus dem Paradies beginnt. Der Grund dafür? Die Schlange natürlich, oder genauer gesagt Satan, der zur Rebellion gegen Gott aufruft, umgeben von seinen Legionen von Engeln, die bald fallen und zur Hölle verurteilt werden. Ein Ort, der von Schatten bevölkert ist und Chaos genannt wird; dort erwacht Satan, verwirrt, in Nebel gehüllt, er ist unter die verlorenen Seelen verbannt.

Illustrated by William Blake

Der rebellische Engel beschwört nun seinen engsten verbrecherischen Gefährten, Beelzebub, ruft seine Legionen mit dem Versprechen eines anderen Himmels auf, und stellt seine Armee in Schlachtordnung auf. Aus den Abgründen erhebt sich das Pandämonium, die Hauptstadt der Hölle, wo Satan den Rat der Dämonen einberuft, bevor er in Gesang II zur göttlichen Welt fliegt, um sie zu verderben.

Das Verlorene Paradies : Entstehung

John Milton wurde 1608 geboren und studierte an renommierten Universitäten - St. Paul in London und Christ's College in Cambridge. Er war ein brillanter und zugleich stürmischer Schriftsteller, der schon in jungen Jahren, mit etwa zehn Jahren, schrieb. Seine frühesten schriftstellerischen Arbeiten bestehen aus lateinischen Gedichten und Briefen in englischer Prosa. Sein erstes Gedicht wurde 1632 veröffentlicht.

Das verlorene Paradies keimte in Miltons Geist bereits 1640 - davon zeugen einige Entwürfe für eine Tragödie, die den Titel Adam Unparadised tragen sollte. Zu diesem Zeitpunkt war Milton 32 Jahre alt. Seine Pamphlete, in denen er sich für bürgerliche und religiöse Freiheiten einsetzte, brachten ihn auf die politische Bühne, und während des Commonwealth glänzte er durch seine Karriere als Parlamentarier und Mitglied der Regierung von Cromwell. In seinem Privatleben schrieb er, litt aber unter einer unglücklichen Ehe, und erste Anzeichen einer Augenschwäche traten auf.

Le facsimile de Paradise Lost

Die Stuart-Restauration bedeutete das Ende von zwei Jahrzehnten öffentlicher Tätigkeit. Seine Werke wurden verurteilt und er verbrachte 1660 sogar eine kurze Zeit im Gefängnis. Er widmete sich fortan dem Studium und dem Schreiben. Milton, der von seiner dritten Frau - seine ehemaligen Ehefrauen waren bei der Geburt ihrer Kinder gestorben - und seinen Töchtern umgeben war, litt unter seiner schlechten Gesundheit. Der Dichter war seit 1652 blind und arbeitete dennoch an seinem großen Werk. Er sagte seine Dichtungen laut auf und zwang sich seine Texte auswendig zu lernen, um sie dann zu diktieren und bei Bedarf umzugestalten. Angehörige des Schriftstellers, wie seine jüngeren Töchter Mary und Deborah oder seine Freunde, fungierten als Kopisten.

Eine kollektive Arbeit

Die Abschrift des Verloren Paradieses ist also das Ergebnis einer kollektiven Arbeit. Milton arbeitete gewöhnlich nachts oder am frühen Morgen, wenn er im Bett lag, und korrigierte die Blätter, als sie ihm wieder aufgesagt wurden, und zwar immer mündlich. Zeitgenössischen Berichten zufolge saß der Dichter während dieser Diktate mit dem Rücken quer über einen Sessel gebeugt und stützte ein Bein auf eine der Armlehnen.

Das Manuskript besteht aus dreiunddreißig nummerierten Seiten, die von einem professionellen Kopisten ins Reine geschrieben wurden, der wahrscheinlich mehrere Entwürfe verwendete, die Milton seinen verschiedenen Kopisten diktiert hatte. Das Dokument weist die Spuren von Korrekturen von fünf verschiedenen Personen auf, die unter Miltons Aufsicht vorgenommen wurden. Es wurde für die erste Ausgabe des Buches im Oktober oder November 1667 verwendet und trägt auf der ersten Seite das Imprimatur (lateinisch für Druckfreigabe) der Stationers' Company*, welches früher für den Druck und Vertrieb eines Buches erforderlich war: Thomas Tomkyns, one of the religious servants of the most reverent father and lord in Christ, Lord Gilbert, by divine providence archbishop of Canterbury. Richard Royston. Entered by George Tokefield, clerk.

Paradise Lost Poems

Obwohl es schon 1665 fertiggestellt wurde, erschien Das Verlorene Paradies erst zwei Jahre später. Grund dafür waren Papiermangel - bedingt durch den zweiten englisch-niederländischen Krieg -, die Pestepidemie und der Große Brand, wobei London zwischen 1665 und 1666 verwüstet wurde. Samuel Simmons, der das Manuskript des Gedichts für £5 erworben hatte, ließ etwa 1.300 Exemplare dieser ersten Ausgabe drucken, die für 3 Schilling pro Stück verkauft wurden. Der Vertrag mit Milton, der erste seiner Art zwischen einem Verleger und seinem Autor, sah vor, dass Simmons nach der Vermarktung des Buches weitere 5 Pfund zahlen sollte.

Ein Schatz der Morgan Library (New York)

Das Manuskript wurde von Simmons für £25 an den Buchhändler Brabazon Aylmer verkauft; danach ging es durch die Hände verschiedener Besitzer, bis es 1904 von Pierpont Morgan bei Sotheby's London erworben wurde.

Das verlorene Paradies inspirierte Generationen von Schriftstellern, darunter John Keats, George Eliot und Thomas Hardy, sowie große Komponisten wie Händel und Haydn. Das zeitgenössische Englisch hat von Milton einige Neologismen übernommen, die im Verlorenen Paradies geprägt wurden, wie 'dreary', 'pandæmonium', 'acclaim', 'rebuff', 'self-esteem', 'unaided', 'impassive', 'enslaved', 'jubilant', 'serried', 'solaced', 'satanic'... François-René de Chateaubriand schlug eine wortwörtliche Übersetzung vor, eine Hommage an Miltons Genie, die im 19. Jahrhundert einen Meilenstein darstellte.

* The Worshipful Company of Stationers and Newspaper Makers ist die Zunft der Papiermacher, Drucker und Verleger in der City of London. Sie wurde 1403 gegründet und ist immer noch aktiv, auch wenn sie heute nur noch eine beratende Funktion hat.

Kellen:

- Gordon Campbell, Milton, John (1608–1674), Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press (2004).

- François-René de Chateaubriand, Le Paradis perdu suivi de Essai sur la littérature anglaise, Garnier (Paris, 1876).

- Armand Himy, Milton, Fayard, Paris (2003).

- John Keats, The Complete Poems, Penguin Classics, London (1988).

- Barbara Lewalski, The Life of John Milton, London (Wiley–Blackwell).

- John Milton, Paradise Lost, printed at the Lyceum Press Liverpool and published by the Liverpool Booksellers' Co. Limited 4to (London, 1906).

- Webseiten: The Morgan Library, Keats House Museum, The Open University UK (record ID 17367), Museum Crush (Keats' copy of Paradise Lost)

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