Rote Auflage,
nummeriert von 1 bis 1000,
$240 $

Französische Ausgabe
Großformat (25 x 35 cm)

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Madame Bovary, das Manuskript von Gustave Flaubert

1851, als Gustave Flaubert gerade dabei war, Die Versuchung des heiligen Antonius zu schreiben, rieten ihm seine Jugendfreunde Louis Bouilhet - Dichter und Dramatiker - und Maxime Du Camp - Journalist und Reiseschriftsteller -, ein weniger lyrisches Thema für seinen ersten Roman auszuwählen. Flaubert scheint auf sie zu hören, trotz des Aufwandes, das er in sein ursprüngliches Projekt gesteckt hatte. In Genua, im Balbi-Palast, hatte ihn ein Gemälde von Pieter Brueghel dem Jüngeren angeregt, ebenso wie ihn die Schriften von Goethe und Byron zu diesem Thema hingezogen hatten. Gustave Flaubert beschloss jedoch, den Ratschlägen seiner Freunde zu folgen und sich für aktuelle und lokale Geschehnisse zu interessieren.

Mehrere der letzteren hätten dann sein Interesse erweckt. Zunächst der Fall Eugène Delamare: Dieser war ein Gesundheitsbeamter, dessen untreue junge Frau, eine vom Luxus benebelte Bäuerin, Selbstmord beging und dabei Schulden und ein kleines mutterloses Kind hinterließ. Auch der Fall von Marie Lafarge, die 1840 ihren Mann vergiftete, oder der von Laquerrière, einem Bauern, der beschuldigt wurde, 1848 seine Frau mit Arsen vergiftet zu haben, hätten ihn inspiriert.

Gustave Flaubert vertieft sich in diese abscheulichen Geschichten, nimmt seine Feder und beginnt mit dem Schreiben eines neuen Manuskripts, das seine literarische Karriere begründen sollte: Madame Bovary.

Eine mühsame Erstellung

„La Bovary kommt im Schneckentempo voran“, klagte Flaubert in einem Brief an seine Geliebte Louise Colet am 13. September 1852. Flaubert kämpft, trotz seiner Inspiration und seiner großen Beständigkeit vor dem leeren Blatt, das er in Windeseile schwärzt, ohne jemals wirklich zufrieden zu sein. Er ahnte wohl nicht, dass fünf Jahre harter, einsamer Arbeit auf dem Familienanwesen am Ufer der Seine in Croisset nötig sein würden, um sich von der Romantik zu befreien, sich dem Realismus von Balzac anzuschließen und sich gleichzeitig von ihr zu lösen und dann der Emma Bovary Leben einzuhauchen. Dabei stützte er sich auf seine zahlreichen „Pläne und Szenarien“ (siehe die dem Manuskript in dieser Ausgabe beigefügten Dokumente), in denen er an der Handlung im Sommer 1851 arbeitete. Die Ideen sind von Anfang an klar und präzise, was den Autor nicht daran hinderte, später davon abzuweichen und seine Handlung zu verfeinern. Das Manuskript ist von September 1851 bis April 1856 datiert. Der erste Teil wird den Schriftsteller vom 19. September 1851 bis August 1852 beschäftigen; der zweite Teil von September 1852 bis 1855; der dritte Teil wird sich dann bis April 1856 erstrecken.

Gustave Flaubert: ein technischer und fleißiger Schriftsteller

Flaubert ist ein Mann des Umschreibens. Mit dem Wunsch nach einem Roman „ohne äußere Bindung (...), der fast kein Thema hätte, oder zumindest, wo das Thema fast unsichtbar wäre“, kann er einige seiner Kapitel komplett überarbeiten und umschreiben, bis zu sechs Mal, wobei er rasend und mit dicker Tinte die Passagen durchstreicht, von denen es fast so scheint, als wolle er sicherstellen, dass kein Wort unter der Tinte, die sie bedeckt, zu erkennen sei. Er arbeitet ausführlich an der Abfolge seiner Szenen, erfüllt seine Figuren - wie Homais, den Wucherer Lheureux oder den Priester Bournisien - nach und nach mit Leben, verändert die Reihenfolge bestimmter Passagen und weist ihnen unterschiedliche Intensitäten zu. In den ersten Fassungen war Emma also nicht immer Léons Geliebte, sondern später die von Rodolphe. Ihre Romanze ist zunächst platonisch, und der aufmerksame Leser wird kein "Küssen" finden...

Flaubert zögert nicht, Nebenschauplätze auszuarbeiten, über die er ein paar Zeilen zu Papier bringt, während er genaue dokumentarische Recherchen anstellt, um die Landschaft der Normandie und die provinziellen Sitten zu beschreiben. So kam die Episode der Hochzeit oder die der Operation am Klumpfuß zustande, ebenso wie die Szene der landwirtschaftlichen Ausstellung, eine Szene die in letzter Minute hinzugefügt wurde.

Seine Korrekturlesetechnik ist glänzend. In seinem Büro, sehr besorgt um den Rhythmus und die Musikalität seiner Sätze, liest der Schriftsteller seine Prosa laut. Er begibt sich auf die Suche nach dem richtigen Wort, Suche die nicht unterbrochen werden darf. Was Maupassant als „das erschreckende Werk eines geduldigen und akribischen Kolosses, der mit Kindermurmeln eine Pyramide bauen würde“ bezeichnete. Flaubert wird so laut „wie ein verrückter Kerl“ (vgl. Brief an Madame Brainne, 8. Juli 1876), bis in die frühen Morgenstunden, bis er wohl erschöpft das Morgengrauen anbrechen sieht.

titre manuscrit Madame Bovary écrit par Flaubert

Madame Bovary erscheint im Rampenlicht und unter dem Beifall der Kritik

Im Oktober 1856 erschien Madame Bovary als Fortsetzungsroman in La Revue de Paris, deren Mitherausgeber Maxime du Camp war, nachdem er gekürzt und einige Stellen - wie die Kutschenszene - zensiert worden waren, was Flaubert missfiel. Der Skandal blieb jedoch nicht aus: Der Romanautor wurde vom Staatsanwalt Ernest Pinard wegen Beleidigung der öffentlichen und religiösen Moral und des Anstands angeklagt - derselbe Mann, der wenige Monate später Charles Baudelaires Les Fleurs du mal (dt. Die Blumen des Bösen) verurteilen sollte. Pinard greift Flauberts „anrüchige“ Schilderungen und seine „Unpersönlichkeit“ heftig an und beendet seine Anklageschrift mit den Worten: „Kunst ohne Regeln ist keine Kunst mehr (...) der Kunst die einzige Regel des öffentlichen Anstands aufzuerlegen, bedeutet nicht, sie zu unterwerfen, sondern sie zu ehren.“ Flauberts Anwalt Senard versucht seinerseits zu zeigen, dass der Roman, da er den Ehebruch nicht preist, nicht subversiv ist. Die Kunst ist nur sich selbst gegenüber verantwortlich...

Flaubert wurde im Februar 1857 freigesprochen. Zwei Monate nach dem Freispruch, im April, erscheint Madame Bovary bei dem Verleger Michel Lévy: es ist ein sensationeller Erfolg, und mehr als zwanzigtausend Exemplare werden in wenigen Tagen verkauft... Die endgültige Ausgabe ist auf 1873 datiert.

édition manuscrite de Madame Bovary de Flaubert

Ein Vorwort von Jacques Weber

Das sehr persönliche Vorwort vom Schauspieler Jacques Weber, einem leidenschaftlichen Fan von Gustave Flauberts Werk und langjähriger Fan von Madame Bovary, führt uns zurück in die Windungen dieses langen Textes, wirft aber auch ein neues Licht auf die Charaktere, Themen und die Schärfe eines Flaubert, der von dem besessen wurde, was sein Meisterwerk werden sollte.

2014 spielte Jacques Weber am Théâtre de l'Atelier in Arnaud Bédouets Gustave, welches auf Gustave Flauberts Briefwechsel basiert. Die Figur des Flaubert und die unvergessliche Emma Bovary prägen auch Jacques Webers schriftstellerische Laufbahn.