Die Reise ans Ende der Nacht, das Manuskript von Louis-Ferdinand Céline
„Fünf Jahre Arbeit“... „Brot für ein ganzes Jahrhundert Literatur“... mit diesen Worten beschreibt Louis-Ferdinand Céline in einem Brief an Gaston Gallimard im April 1932 das Schreiben des Manuskripts von Reise ans Ende der Nacht, seinem ersten Roman, der bei Denoël & Steele erschien.
Céline: „Ich glaube nicht, dass mein Ding langweilig ist“
Der junge 38-jährige Arzt, der damals in einer Klinik in Clichy arbeitete, war sich seiner Sache sicher und behauptete es mit einer ungewöhnlichen Selbstsicherheit: Dieser Roman, den er auch bescheiden als „literarische Symphonie“ und als „entscheidenden Moment der menschlichen Natur“ bezeichnete, sei dazu bestimmt, den Goncourt-Preis zu gewinnen... Aber nichts ist gewöhnlich, weder in Celines Schicksal noch in diesem Manuskript, das fast sechzig Jahre lang Gerüchte und Legenden nährte.

Reise ans Ende der Nacht gewann schließlich den Renaudot-Preis und verpasste den Goncourt-Preis um zwei Stimmen (4 gegen 6), der 1932 an Guy Mazeline für Les Loups (dt. Die Wölfe) vergeben wurde.
Ein zwischen 1928 und 1931 geschriebener Roman
In den 1920er Jahren erholt sich der Mann, der noch Louis Ferdinand Destouches heißt, wie so viele andere Männer seiner Generation vom Ersten Weltkrieg. Die Einberufung vorwegnehmend, trat er am 28. September 1912 in die französische Armee ein. Bereits 1914 wurde er zum Gruppenführer befördert. Sein Regiment wurde in Westflandern in die Schlacht geschickt: bei Poelkapelle wird er verwundet. Er erhielt auch zwei Militär-Auszeichnungen (frz. Medaille et Croix de Guerre avec étoile d'argent). Nach dem Krieg widmete sich Céline der Medizin und dem Schreiben von Artikeln für wissenschaftliche Fachzeitschriften. Seine Begegnung mit der amerikanischen Tänzerin Elizabeth Craig veranlasste ihn, ihr den Roman Reise ans Ende der Nacht zu widmen.

Das Manuskript von Reise ans Ende der Nacht: Rätsel und Abhandenkommen
Céline braucht letztendlich drei Jahre Arbeit, um das große Werk seines Lebens zu schreiben, dem weitere unvergessliche Texte wie Mort à crédit (dt.Tod auf Raten) folgen werden, die aber wohl weniger populär sind. Insgesamt sind es 876 Seiten, die mit einer nervösen Handschrift, in schwarzer und blauschwarzer Tinte und Bleistift, bedeckt sind, und deren erste Seite folgende Worte trägt:
Reise ans Ende der Nacht
Das einzige Manuskript
LF Céline
98 rue Lepic
Viele Gerüchte ranken sich um die verschiedenen Wege dieses Manuskripts, die den Kunsthändler Etienne Bignou oder Pierre Bérès kreuzen - einem berühmten Pariser Buchhändler, Bibliophilen und Autographen Händler, der in der Avenue de Friedland niedergelassen war, nur wenige Schritte von den Champs Elysées entfernt. Robert Denoëls Frau erinnerte sich zum Beispiel an ein gigantisches Manuskript, einen „Koloss“ von nicht weniger als 20.000 Seiten; während Bignous Schwiegertochter Marguerite behauptete, Céline habe ihrem Vater seine wertvollen Blätter mit einer Schubkarre gebracht.

Die Schauspielerin Marie Bell, von der Comédie française, soll Étienne Bignou mit Céline bekannt gemacht haben. Der Kunsthändler, der eine renommierte Galerie in der Rue La Boétie 8 und Filialen in London und New York besaß, war auf das 19. und 20. Jahrhundert spezialisiert. Gemälde der größten Meister reihten sich in seinen Händen aneinander: Picasso, Modigliani, Degas, Cézanne... Étienne Bignou war auch leidenschaftlicher Fan von Manuskripten und sammelte Autografen: So kaufte er von Céline, der ihm den Spitznamen „Monsieur Mécène“ (zu dt.: „Herr Mäzen“) gab, das Manuskript von Reise ans Ende der Nacht am 29 mai 1943 für 10.000 Francs und ein kleines Gemälde von Renoir.

Étienne Bignou starb 1950: Viele Jahre lang wusste niemand, wo sich das Manuskript der Reise ans Ende der Nacht befand. Hat der Kunsthändler es ins Ausland verkauft, an einen englischen Sammler, von dem Pierre Bérès später sagen würde, er habe ihm das Manuskript zur Versteigerung anvertraut? Ist das Dokument nach Südamerika gereist, kam es durch Privatverkäufe zurück oder hat Pierre Bérès es vor seinem Tod selbst von Bignou erworben?
Im Jahr 2001 tauchte Célines Originalmanuskript bei einer Auktion wieder auf
Zum großen Erstaunen der Fachleute, die seit vielen Jahren versuchten, das Manuskript zu finden - sein Fehlen bei einer Auktion von kostbaren Gegenständen aus dem Besitz von Bignou im Jahr 1975 warf viele Fragen auf - tauchte Reise ans Ende der Nacht 2001 wieder auf. Am 15. Mai 2001 wurde von der Firma Piasa bei Drouot-Montaigne eine Auktion mit Thierry Bodin und Pierre Bérès als Experten organisiert. Der Verkauf sollte historisch sein und ließ im Vorfeld viel Tinte fließen, während gleichzeitig Bedenken über die Zukunft des Dokuments aufkamen: Könnte das Manuskript an einen ausländischen Sammler verkauft werden und damit das Land verlassen? Unter anderem ist der Schauspieler Fabrice Lucchini empört. Das Manuskript muss in Frankreich bleiben! Die BNF machte von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch und ersteigerte das Manuskript für etwas mehr als 12 Millionen Francs (fast 2 Millionen Euro), auch dank der Hilfe einer wohlhabenden Förderin, der Witwe des Milliardärs Akram Ojjeh.

Brief von Céline an Gaston Gallimard (1932)
Sehr geehrter Herr,
Ich überreiche Ihnen mein Manuskript von Reise ans Ende der Nacht (5 Jahre Arbeit). Ich wäre Ihnen besonders dankbar, wenn Sie mir schnellstmöglich mitteilen würden, ob und unter welchen Bedingungen Sie bereit wären, ihn zu veröffentlichen. Sie bitten mich, Ihnen eine Zusammenfassung dieses Buches zu geben. Es ist in Wahrheit eine seltsame Anstrengung, der Sie mich unterziehen, und ich hatte noch nie daran gedacht.
Sie werden mir sagen, dass es an der Zeit ist. Ich weiß nicht, warum, aber ich fühle mich völlig ungeeignet dafür. (Ein bisschen wie der Eindruck der Taucher im Kino, die man aus dem Wasser zum Steg springen sieht...) Ich werde es trotzdem versuchen, aber ohne Manieren. Ich glaube nicht, dass meine Zusammenfassung Ihnen einen guten Vorgeschmack auf das Buch geben wird.
Tatsächlich handelt es sich bei dieser „Reise ans Ende der Nacht“ um eine romanhafte Geschichte, in einer ziemlich einzigartigen Form, von der ich nicht viele Beispiele in der Literatur im Allgemeinen sehe. Ich wollte es nicht so haben. So ist es nun mal. Es ist eher eine Art literarischer Sinfonie, emotional, als ein echter Roman.
Der Fallstrick des Genres ist die Langeweile. Ich denke nicht, dass mein Ding langweilig ist.
Emotional ist diese Geschichte ziemlich nah an dem, was man von Musik bekommt oder bekommen sollte.
Es ist ständig auf der Kante von Emotionen und Worten, von präzisen Darstellungen, außer in den Momenten der Akzente, die rücksichtslos präzise sind. Daher die Menge an Ablenkungen, die nach und nach in das Thema einfließen und es schließlich wie eine musikalische Komposition singen lassen. All dies bleibt sehr anmaßend und mehr als lächerlich, wenn die Arbeit nicht gut gemacht ist. Sie sind der Richter. Für mich ist es ein Erfolg.
So geht es mir mit Menschen und Dingen. Pech für sie. Die Handlung ist sowohl komplex als auch einfach. Sie gehört ebenfalls zum Genre der Oper. (Das ist keine Referenz!) Es ist ein großes Fresko, lyrischer Populismus, Kommunismus mit Seele, frech also, und lebendig. Die Geschichte beginnt an der Place Clichy, zu Beginn des Krieges, und endet fünfzehn Jahre später auf dem Clichy-Fest. 700 Seiten Reisen durch die Welt, bei Männern und in der Nacht, und in der Liebe, die Liebe vor allem, die ich aufspüre, deren Abgründe, Liebe, die dort herauskommt, schmerzhaft, entkräftet, besiegt...
Verbrechen, Delirium, Dostojewskismus, alles ist in meinem Ding, um zu lernen und um zu genießen. [...] Ich würde auf keinen Fall wollen, dass mir das Thema weggeschnappt wird. Das ist Brot für ein ganzes Jahrhundert Literatur. Es ist der Goncourt-Preis von 1932 in einem Sessel für den glücklichen Herausgeber, der dieses einzigartige Werk, diesen entscheidenden Moment der menschlichen Natur, festhalten kann... Mit meinen besten Wünschen.
Louis-Ferdinand Céline
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Ein ganz anderes Manuskript als die schließlich veröffentlichte Fassung
Dieses Manuskript ist die erste Fassung des von Louis-Ferdinand Céline verfassten Romans. Ein vollständiger erster Entwurf, der sich jedoch von der 1932 veröffentlichten Fassung unterscheidet. Bardamu wird vom Erzähler getrennt betrachtet, der sich in dieser Fassung als eine eher naive und konformistische Figur erweist. Céline arbeitet an der Struktur und der Erzählung, aber auch an der Form; Begriffe ändern sich (aus dem Arzt wird ein „Medizinstudent“, aus dem Kollegen wird „Kamerad“, usw.; der Schriftsteller scheint jedes Papier zu benutzen, das ihm in die Hände fällt: hier der Briefkopf des Grand Hotels in Stockholm, dort ein Sanatoriums Formular, dort wieder die Rückseite von Berichten... Bemerkenswert ist das Eingreifen der Schreibkraft, die das Manuskript in Händen hielt: Die Anmerkungen mit Rotstift stammen von ihr und verraten ihre ganze Verwirrung über Begriffe, die sie für vulgär hält, oder über Interjektionen und Abkürzungen. War diese „Verwirrung“ nicht ein Zeichen für das Erstaunen des Publikums, für den Publikumserfolg des Buches und für die stilistische Revolution, deren Architekt Céline war?
„Ein Schriftsteller, von Gott geschaffen, um zu skandalisieren“, schrieb Bernanos über Céline. Das Manuskript, auch wenn es nicht Gegenstand eines Skandals ist, ist eine erneute Verwunderung.

Luxusausgabe
Diese stahlgraue Ausgabe ist nicht nummeriert
und wird in einem handgefertigten Schuber präsentiert.
Auf umweltfreundlichem Papier und mit pflanzlicher Tinte gedruckt, mit den feinsten Stoffen gebunden.
Stahlgraue Buchbindung
Nicht nummerierte Ausgabe
1032 Seiten - 25 x 35 cm
Fedrigoni Avorio Papier
Kapitalband und Lesebändchen
ISBN: 9782954268743